|
Weiße Knoten |
|
Echte Orientteppiche sind ein Luxus,
der handgeknüpfte Flor ein Kunstwerk. Ein wesentliches Merkmal von Orient
Teppichen sind die „weißen Knoten“. Dabei handelt es sich um kleine
weiße oder helle Punkte die wie zufällig an wenigen, bisweilen an mehr
Stellen auf der Teppichoberfläche erscheinen. Diese „Punke“ sind tatsächlich
Knoten im Baumwollgarn des Teppichgrundgewebes, die sich im Laufe der
Zeit, zwischen den Garnbüscheln des Flors an die Oberfläche gearbeitet
haben, und somit ein Bestandteil des Flors geworden sind. Wenn man genauer
hinsieht, kann man sie auf in hellen Zonen eines Teppichs finden. Wie und warum erscheinen diese „weißen
Knoten“ und warum sind sie nach einer fachgerechten Teppichwäsche sichtbarer? Der Flor des Teppichs wird per Hand
in eine Grundgewebe aus Kett- und Schussfäden
geknüpft. In den meisten Fällen besteht dieses Grundgewebe aus weißen
oder hell gefärbten Baumwollgarnen. Da diese Garne nicht endlos sind
müssen mehrere Stücke zusammengeknotet werden. Zwangsläufig reißt während
des Knüpfens der eine oder andere Faden und muss wieder zusammengeknotet
werden. Dadurch entstehen zusätzliche Knoten. Wenn ein Teppich neu ist, sind
die Knoten im Flor der sie umgibt verborgen. Die Knoten sind dicker als die sie
umgebenden Wollfäden des Flors und durch normale Begehung kommen sie bis an die
Teppichoberfläche, da gleichzeitig der Flor abgenutzt wird. Weil sie aus einem
andern Material sind und eine andere Farbe als der eigentliche Teppichflor
haben, können sie auffallen. Ihr Vorhandensein ist normal und bei einer sorgfältige Untersuchung findet man sie praktisch in jedem
Orientteppich. Unmittelbar nach der Fertigstellung oder im Großhandel bisweilen
erst beim Handel, werden die auffälligsten Knoten mit einem geeigneten
Farbstift nachgefärbt. Wenn ein Teppich im Gebrauch werden die Knoten durch die
Gebrauchsverschmutzung dunkler und „unsichtbar“. Aufgrund einer fachgerechten
gründlichen Teppichwäsche werden Verschmutzungen, lose Fasern, gelöste Farben
etc. bestmöglich entfernt und damit die Knoten im Flor wieder weiß und deutlich
sichtbar. Dies ist weder ein Defekt im Teppich noch ein Fehler der Reinigung
sondern das normale Ergebnis des Gebrauchs eines Orientteppichs. Auf Kundenwunsch können die
Knoten im Rahmen eines Zusatzauftrages mit speziellen Farbstiften, die auf die
Farben von Orientteppichen abgestimmt sind retuschiert werden. Auf diese Weise
werden wieder bis nach den nächsten Wäsche unsichtbar.
Die Knoten dürfen auf keinen Fall
abgeschnitten werden, da dadurch ein Loch im Grundgewebe entsteht. Das Loch kann sich vergrößern und
Flormaterial herausfallen. Durch die normale
Gebrauchsverschmutzung werden die „weißen Knoten“ schnell wieder dunkler und
verschwinden bis nach der nächsten Teppichwäsche. Die „weißen Knoten“ sind eine
normale Folge des Gebrauchs und ein wesentliches Merkmal von schönen,
handgeknüpften Orientteppichen. Es ist eine Eigenart der Einzigartigkeit dieser
Teppiche der Flor und Grundgewebe handgefertigt sind. Es ist ein Bestandteil
der „Mystik“ von Orientteppichen. Lothar Amm, Langenzenn, August
2002 Quelle ASCR International |